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Datum: 18.05.2020 Uhrzeit: 10:35

GDL Bebra begrüßt Offensive des NVV


Die Ortsgruppe Bebra der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer begrüßt die heute durch den Nordhessischen Verkehrsverbund angekündigten Angebotsausweitungen ab dem Dezember 2020. Patrick Rehn vom Vorstand der Ortsgruppe: 'Durch die Corona-Pandemie sind viele wichtige Themen des öffentlichen Lebens, die die gesamte Menschheit langfristig betreffen, derzeit komplett in den Hintergrund gerückt. Hierzu zählen der Klimawandel und die angestrebte Verkehrswende, welchen man weiterhin mit dem entsprechenden Pragmatismus begegnen muss. Die Planungen, welche heute veröffentlicht wurden sind daher absolut zu begrüßen und ein echter Lichtblick.'

Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember wird das Zugangebot auf der Strecke zwischen Bad Hersfeld und dem Kasseler Hauptbahnhof nahezu verdoppelt: Eine neue Express-Verbindung verbindet die beiden größten Städte Nordhessens künftig zusätzlich zur bereits bestehenden Regionalbahn-Verbindung. Die neuen Züge fahren dabei beschleunigt mit weniger Unterwegshalten und bedienen dabei nur die Bahnhöfe in Bebra, Rotenburg, Melsungen und Kassel-Wilhelmshöhe.

Zusätzlich werden die Fahrpläne der Linie RB 7 von Bebra über Eschwege nach Göttingen und umgekehrt angepasst, da die bei einigen Fahrten in Eschwege anfallenden langen Standzeiten stark verkürzt werden. Diese Fahrgäste profitieren von kurzen Umsteigezeiten in Bebra, da ab Dezember halbstündlich Züge Richtung Kassel und Bad Hersfeld fahren.

In der Kur- und Festspielstadt wiederum bestehen dann gute Umsteigemöglichkeiten zu den künftig öfter verkehrenden Zügen der Linie RE 50 von und nach Frankfurt am Main, welche über Hünfeld, Fulda und Hanau das Rhein-Main-Gebiet erreichen. Diese Züge sollen zudem künftig auch teilweise bis Bebra durchgebunden werden, so dass der ehemalige Eisenbahner-Knotenpunkt wieder an Relevanz gewinnt.

Doch für die GDLer aus Bebra ist der ab Dezember geltende Fahrplan noch nicht das Optimum des Erreichbaren, denn besonders Richtung Thüringen und im Fernverkehr gibt es noch viel zu tun. Rehn: 'Vieles von dem, was ab Dezember kommt haben wir bereits so oder ähnlich vorgeschlagen oder uns gewünscht. Doch leider ist grenzüberschreitender Nahverkehr zu großen Teilen immer noch Sisyphosarbeit.'

Derzeit fahren nur noch sechs InterCity-Züge auf der einst bedeutenden Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Thüringen, wovon nur zwei in Bebra halten - die anderen vier fahren durch. Rehn: 'Die Züge fahren seit dem Dezember 2018 bis nach Gera, welches aktuell jedoch nur mit Dieselloks erreicht werden kann. Hierzu muss ein sogenannter Lokwechsel durchgeführt werden, welcher in Gotha stattfindet und knapp zehn Minuten dauert. Der Wegfall der Halte in Bebra wurde seinerzeit mit der Einsparung von Fahrzeit begründet um die Zeit für den Lokwechsel gewinnen zu können. Das Abbremsen, Halten und erneute Anfahren der InterCity würde jedoch keine nennenswerte Fahrzeitverlängerung bedeuten, zumal die Züge von leistungsfähigen und spurtstarken Elektroloks gezogen werden. Besonders vor dem Hintergrund der künftig etwa zur Minute 30 in Bebra herrschenden zusätzlichen Umsteigemöglichkeiten liegt hier weiteres Fahrgastpotential.'

Sollte der Halt der InterCity nicht möglich sein steht weiterhin eine geänderte Führung einer schnellen Nahverkehrsverbindung von Kassel über Bebra, Eisenach und Gotha nach Erfurt im Raum.

Perspektivisch könnten sich dann Nahverkehrszüge aus Göttingen, Erfurt, Kassel und Frankfurt am Main im Bahnhof Bebra treffen. Bis dahin wird es vermutlich jedoch noch einige Überzeugungsarbeit benötigen - vor allem jenseits der hessischen Landesgrenze. Rehn abschließend: 'Im Deutschland-Takt 2030 ist bereits eine stündliche Linie von Aachen über Köln, Düsseldorf, Dortmund, Hamm, Paderborn, Kassel, Bebra, Erfurt vorgesehen, welche alle zwei Stunden über Gera und Chemnitz nach Dresden weiterfährt. Hierfür müssen heute die Weichen gestellt werden um die Fahrgäste jetzt und künftig für den Verkehrsträger Bahn zu begeistern und auch künftig Mobilität zu ermöglichen. Corona wird irgendwann hinter uns liegen, der Klimawandel nicht.'


Quelle:/Fotos: GDL Bebra